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"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen! " (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Mein Reisetagebuch 

Über mein Reisetagebuch möchte ich euch regelmäßig auf dem Laufenden halten und von meinen Erfahrungen mit Land und Leuten berichten. Inwiefern mir dies auch tatsächlich gelingt, hängt natürlich letztlich nicht allein von mir ab, da ich zumindest auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen bin. Ich bin aber recht zuversichtig, dass sich von Zeit zu Zeit eine Gelegenheit ergibt ein paar kurze Berichte einzustellen. Viel Spaß beim lesen!  

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07.01.2015

Probier's mal mit Gemütlichkeit

Caye Caulker ist in der Tat eine Backpacker-Insel. Der ganze Ort strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, wie man sie in den touristisch erschlosseneren Gebieten wie San Pedro (Ambergris Caye) oder Placencia weiter südlich nicht zu spüren bekommt. Es gibt nur eine Straße, die den Großteil der Freizeitinfrastruktur in Form einiger Bars, kleinerer Geschäfte und Restaurants sowie diverser Anbieter für Freizeitaktivitäten, in sich vereint. Von überall dringen Reggae-Sounds an mein Ohr. Nahezu jeder Fruchtstand besitzt einen Soundblaster, dessen Leistung stets voll abgerufen wird. Überhaupt scheint Musik hier eine wichtige Rolle zu spielen, denn viele der Menschen die ich treffe entpuppen sich als „Musiker“ und halten mir sogleich ihre CD unter die Nase. Am Straßenrand gibt es kleine selbstgebaute Stände, die Muschelhalsketten und Armbänder, kleine Boote aus Kokosnuss-schalen oder selbst gemalte Bilder anbieten – zu durchaus stattlichen Preisen.

Zum perfekten Inselparadies reicht es jedoch nicht ganz. Denn wer denkt da nicht zu allererst an endlose Traumstrände mit feinem weißem Puderzuckersand? Genau den sucht man auf Caye Caulker jedoch vergeblich. Genau genommen findet man hier überhaupt keine Strände. Natürlich gibt es Stellen, an denen Land und Wasser in einem seichten, zugegebenermaßen sandigen Übergang aufeinandertreffen. Aber diese Abschnitte als Strand zu bezeichnen wäre sicherlich übers Ziel hinaus geschossen. Ebenfalls nicht unerwähnt sollte das unter Naturschutz stehende Seegras bleiben, welches haufenweise an die Ufer geschwemmt wird und in der Mittagshitze vor sich hin dunstet. Ein unvergessliches Geruchserlebnis.
Die Reisenden und Touristen die es hierher verschlägt, versammeln sich daher tagsüber meist auf dem Dock am „Split“ im Norden der Insel, um die Sonne zu genießen und den Tag ausklingen zu lassen. Von hier lässt sich auch der Sonnenuntergang beobachten, der ansonsten nur von der anderen, weniger schönen Seite der Insel zu sehen ist. Caye Caulker besteht genau genommen aus zwei Inseln, denn ein Hurrikan teilte das Eiland Anfang der sechziger Jahre in zwei Hälften. Der dadurch entstandene Graben wird heute „Split“ genannt und dient seither als allabendlicher Sammelpunkt für die Backpacker Community.

Mit meiner Ankunft hier beginnt sogleich ein neuer Abschnitt meiner Reise. Nicht nur weil ich die Landesgrenze zu Belize überquert und Guatemala ein für alle mal hinter mir gelassen habe. Vielmehr da ich von nun an völlig unabhängig jeden Tag aufs Neue frei gestalten und sehen kann, wohin der Wind mich weht. Während Antigua und auch die Zeit danach in erster Linie geprägt waren von festen Essenszeiten, Sprachunterricht und „Must-have-seen“-Reisezielen, habe ich für Belize keine konkreten Pläne. Es fällt mir daher nicht schwer mich zunächst vier Tage auf der Insel einzuquartieren und die Seele baumeln zulassen. Ich nutze die Zeit um mich zu sortieren, mich an den Erinnerungen des bislang Erlebten zu erfreuen und meine Batterien aufzuladen, bevor es wieder weitergeht. Dabei stelle ich mit Erstaunen fest, dass die eigenen Erinnerungen manchmal einen größeren „Wow-Effekt“ haben als der Moment des Erlebens selbst. Funktioniert wohl ein bisschen wie Facebook unser Gedächtnis - was bleibt sind nur die Highlights und tolle Bilder ;o)
Zusammen mit KitCat meinem „Haustier auf Zeit“ verbringe ich ein paar entspannte Abende in der Hängematte meiner Cabana und verzichte damit ganz bewusst auf neue Abenteuer und Bekanntschaften. Ich bin froh um diese Pause, denn sie gibt mir Zeit in mich hinein zu hören. Dabei frage ich mich selbst immer wieder, ob es das ist was ich erwartet, was ich gesucht habe. Doch für diese Frage ist es definitiv noch zu früh. Ich bin auf einem guten Weg, soviel weiß ich sicher. Alles andere wird sich noch zeigen…

Doch so ganz die Füße stillhalten kann ich dann doch nicht. Denn während dieser Zeit habe ich auch endlich das Vergnügen, den ersten Tauchgang auf meiner Reise zu absolvieren. Nachdem ich zunächst aufgrund der augenscheinlichen Anbieterflut völlig überfordert bin, wende ich mich ratsuchend an das Internet. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass es letztlich nur drei große Tauchbasen auf der Insel gibt. Nach einem kurzen Besuch vor Ort fällt meine Wahl schnell auf die Belize Diving Services. Für alle interessierten Taucher vorab: Eine hervorragende Base mit gutem Equipment und erstklassigem Service. Ein ausführlicher Bericht folgt in Kürze auf Taucher.net. Aber Service erster Klasse hat natürlich auch seinen Preis. Ein 2-Tank-Dive (d.h. zwei Tauchgänge) im Turneffe Reef (inkl. einstündiger Bootsfahrt, Mittagessen und Ausrüstung) kostet schlappe 200,-US$ (ca. 165,-€). Sicher, im Urlaub hätte ich wohl weniger Probleme damit diesen Preis zu zahlen. Aber genau hier liegt der entscheidende Unterschied - ich bin nicht im Urlaub sondern auf einer Reise mit straffem Tagesbudget. Das ist schließlich leider auch der Grund warum ich mir einen Tauchgang im Great Blue Hole verkneife. Zu groß wäre das Loch, das dieser Ausflug in meine Reisekasse reißt. Sehr schade aber leider nicht zu ändern. Die Preisangabe des Lonely Planets (380B$/160,-€) kann hier getrost vernachlässigt werden, da der 3-Tank-Dive inzwischen 240,-€ (!!) kostet. Ich habe auf verschiedenen Inseln und unterschiedlichen Anbietern gefragt und kam im günstigsten Fall auf 220,-€. Natürlich kann man jetzt darüber diskutieren, ob dieser Preis gerechtfertigt ist. Mir ist es schlichtweg zu teuer, denn 240,- € entsprechen in meiner Reiseplanung vier kompletten Tagesbudgets inkl. Übernachtung und Verpflegung! Normalerweise würde ich mir so eine Gelegenheit nicht entgehen lassen, koste es was es wolle. Aber nun bin ich gezwungen Abstriche zu machen und mich, wie in diesem Fall, gegen das Vergnügen zu entscheiden. Wow, das klingt so vernünftig… und so gar nicht nach mir. Werde ich auf dieser Reise etwa endlich erwachsen? Wahrscheinlich nicht! Zugegebenermaßen, das ein oder andere Hostel hat sicherlich seinen Teil zu dieser „Entwicklung“ beigetragen, denn nach diesen Erfahrungen weiß man wo man nicht mehr sparen sollte.

Nichts desto trotz, den Ausflug ins Turneffe Reef gönne ich mir. Ebenso wie den Smoothie, den ich mir an einem der Fruchtstände an diesem Samstagmorgen auf dem Weg zur Dive Base genehmige. Ein Getränk, bestehend aus frischen Früchten (in meinem Fall zwei Bananen und eine dicke Scheibe Ananas) und ein paar Eiswürfeln. 100% Natürlichkeit und ein durchaus akzeptabler (aber vor allem preiswerter) Start in den Tag. Als ich ankomme ist die komplette Ausrüstung bereits fertig zusammengebaut und auf dem Tauchboot platziert. Top! Noch kurz der übliche Papierkram der die Tauchbasis von jeglicher Schuld losspricht, sollten sie mich im Meer vergessen oder mir der Hai den dicken Zeh abbeißen - und los geht’s. Kleiner Spaß, es wurde noch niemand im Meer vergessen. Nur absichtlich zurückgelassen!
Das Boot verlässt die Küste und fährt geradewegs in ein dichtes Gemenge dunkler Gewitterwolken. Wind kommt auf und es fängt an zu regnen. Obwohl ich gleich ins Meer springen werde, versuche ich intuitiv nicht nass zu werden. Die Wellen schlagen höher und mit ihnen das Boot. Mein nächster Griff gilt den Super Pep Kaugummis gegen Reiseübelkeit in meinem Rucksack. Zu einschneidend waren die Erlebnisse auf solchen Bootsfahrten in der Vergangenheit und nicht nur einmal habe ich dabei die Fische gefüttert. Diesmal geht alles gut und knapp eine Stunde später sind wir am Ziel. Die Gruppe erhält ein ausführliches Briefing durch den Dive Guide mit Informationen zur geplanten Länge und Tiefe des Tauchgangs, möglichen Strömungen sowie den wesentlichsten Handzeichen uvm. Zum ersten Mal tauche ich mit PSI („Pound per square inch“) statt BAR und „Feet“ anstelle von Metern. Am Ende ist alles eine Frage der Gewohnheit. Mit einem Satz springe ich vom Heck des Bootes, dem kühlen Nass entgegen und das Wasser findet sogleich seinen Weg unter meinen Neoprenanzug. Kurz darauf gleite ich hinab und vor meinen Augen eröffnet sich mir eine faszinierende Unterwasserwelt voller Korallengärten und kleiner Fische, die sich in den buntesten Farben präsentieren. Auf unserem Weg begegnen wir Muränen, Stachelrochen, Schildkröten und sogar zwei Delphinen, die unsere Anwesenheit jedoch weniger zu schätzen wissen als wir die Ihrige. Nur die etwa eineinhalb Meter lange grüne Muräne ist äußerst neugierig und fast schon ein wenig aufdringlich. Sie begleitet uns ein Stück auf unserem Weg, sehr zum Leidwesen einiger anwesender Taucher, die das Tier sicherlich lieber aus einiger Entfernung begutachtet hätten. Abgesehen von solchen „meet & greets“ mit den Stars der Unterwasserwelt, genieße ich während des Tauchens insbesondere die Ruhe die einkehrt, sobald man seine Position gefunden hat und die Hände ineinanderlegt. Eine Stille, die daraus resultiert das niemand spricht. Die Bewegungen werden automatisch langsamer und alles was es jetzt noch braucht ist der ein oder andere Flossenschlag. Eine Zeit lang kann ich mich völlig regungslos von der Strömung tragen lassen und beobachte das bunte Treiben um mich herum. Es ist als säße ich in einem Unterwasserkino. Das ist pure Entspannung. Kaum 50min. später treiben acht zufriedene Taucher an der Oberfläche, die sich, kaum das sie wieder auf dem Boot sind, ausführlich über das zuvor erlebte austauschen. Auch der zweite Tauchgang etwa eine Stunde später verläuft ähnlich vielversprechend, diesmal allerdings ohne aufdringliche Muräne und leider auch ohne Delphine.
Auf dem Rückweg nach Caye Caulker strahlt die Sonne vom Himmel. Nichts erinnert mehr an die düsteren Gewitterwolken und das nahende Unwetter nur wenige Stunden zuvor. Das ist Karibik. Das Meer ist spiegelglatt. Ich nutze die Gelegenheit und klettere an der Reling zum Bug, um es mir vorn in der Spitze gemütlich zu machen. Das Boot nimmt Fahrt auf und meine Beine baumeln nun ca. vier Meter über dem Wasser. Vor mir erstreckt sich das türkisblaue karibische Meer, das mit dem makellosen hellblau des Himmels um die Wette zu eifern scheint. Der kühle Fahrtwind weht mir ins Gesicht und macht die Hitze der Sonne, die ungehindert vom Himmel strahlt, erträglich. Mein Blick verliert sich in der Weite zwischen Himmel und Meer. Doch im Augenwinkel erkenne ich, dass plötzlich etwas die Wasseroberfläche durchbricht und auf ihr zu gleiten scheint. Was ist das? Ein Fisch? Tatsächlich. Und dort sind noch mehr. Sie spreizen ihre flügelartigen Brustflossen und surfen mit der Schwanzflosse mehrere hundert Meter über das Wasser. Ein unwirkliches Schauspiel aber lustig mit anzusehen. In der Ferne kann ich unsere Insel ausmachen die mit jeder Minute näherkommt und sich mit ihrem satten Grün von all den Türkis- und Blautönen abhebt. Ein perfektes Farbspiel. Ich genieße die letzten Augenblicke auf meinem Logenplatz, bevor wir kurz darauf wieder am Dock anlegen. Ein toller Tag.

Für den nächsten Tag beschließe ich meine Weiterreise nach San Pedro auf Ambergis Caye der größeren und touristischeren Schwester von Caye Caulker, ca. 30min weiter nördlich mit dem Wassertaxi. Ich plane keinen längeren Aufenthalt, dafür ist die Insel zu teuer. Aber eine Nacht ist wohl drin.
Am nächsten Morgen verabschiede ich mich mit einer riesen Portion Katzenfutter, die schließlich auch für die fünf anderen Katzen ausreicht. Ein bisschen werde ich sie bestimmt vermissen meine kleine Hauskatze. Aber ich bin sicher sie findet einen neuen „Dosenöffner“. Schließlich hat sie mich gleich am ersten Abend rumgekriegt. Ich gehe zur Ablegestelle des Wassertaxis, löse mein Ticket ein und nehme Platz. Die Motoren starten und das Boot legt ab. Meine Reise geht nun weiter und ich bin gespannt was sie noch für mich bereit hält.



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